Technikbericht – Widefieldaufnahmen unter Lichtverschmutztem Himmel

 

Einleitung

Das Problem ist bekannt, Bewohner von dicht besiedelten Gebieten sehen auch mitten in der Nacht nur einen Promilleanteil dessen, was man unter einem dunklen Himmel ohne Lichtverschmutzung an Sternen sehen würde. Auch für mich stellt dies ein Problem dar, da ich die meisten Astroaufnahmen von meiner Gartenterasse aus aufnehme. Trotzdem will man nicht verzichten, und da klare Nächte fast so selten sind wie ein Himmel ohne Lichtverschmutzung gilt es diese zu nutzen, auch wenn es nur darum geht, nicht aus der Übung zu kommen.

In der Praxis sieht es oft so aus, dass bereits bei mittleren Belichtungszeiten und relativ hohem ISO Wert sehr oft scheinbar völlig überbelichtete Lightframes aufgenommen werden. Doch sind diese Frames tatsächlich überbelichtet, oder lässt sich dank EBV doch noch etwas herausholen?

Verwendete Geräte – Technische Daten

Zur Anwendung kamen eine Canon EOS 6D mit aufgesetztem 100mm f/2.8 Makro, auf f/3.2 abgeblendet. Nachgeführt wurde mittels der Skywatcher Star Adventurer Montierung auf einem Gitzo Fotostativ. Die Montierung wurde auf Polaris ausgerichtet und ohne Guiding betrieben.

Als Motiv wurde die Region zwischen Andromeda und Kassiopeia ausgewählt, sodass wir Sicht auf die Andromeda Galaxie M31 haben.

Aufgenommen wurden 40 Lightframes a 2’30“ bei ISO 500, ausserdem wurden 10 Dark- und 10 Flatframes erstellt.

Das Lightframe

Ein einzelnes Lightframe aus der Reihe (durchschnittlicher Score) sah nach der Belichtung wie folgt aus.

Light_05012015Grundsätzlich würde ich dieses Lightframe als stark überbelichtet beurteilen, der Hintergrund ist nahezu weiss, Sterne sind nur schwer vom Hintergrund abzuheben.

Die Crux mit den Flatframes

Ein weitere Problem zeigte sich beim Bearbeiten der Bilder nach dem Stacking Prozess, aufgrund von unterbelichteten Flat-Frames konnte schlussendlich trotz Ebnen des Hintergrundes selbiger nicht eben dargestellt werden, das zu schwach belichtete Flatframe hatte das Summenbild zu stark verfälscht. Deshalb wurde nachträglich nochmals ein Flatframe erstellt, dieses mal stärker belichtet. Aufgrund des Umstandes, dass die Kamera noch wie bei den Aufnahmen auf der Montierung sass, mit aufgesetztem Objektiv, war ein nachträgliches erstellen der Flatframes am Tag danach kein Problem.

Flat_Bad_05012015

Unterbelichtetes Flatframe

Flat_OK_05012015

Gut belichtetes Flatframe

Um sich der Auswirkung von schlecht aufgenommen Flatframes bewusst zu werden, habe ich die Lightframes einmal mit den schlechten Flats, einmal mit den guten Flats und einmal ohne Flats zu einem Summenbild gestacked. Damit die finalen Bilder einigermassen objektiv vergleichbar wurden, habe ich die Bilder nur mit wenigen Schritten in Fitswork gestreched und geebnet, dabei habe ich darauf geachtet, immer nach dem selben Schema vorzugehen.

  • Bilder in DSS gestacked
  • Hintergrund ebnen (automatische Funktion „Hintergrund ebnen Sterne“ in Fitswork)
  • Histogramm anpassen (stretchen)
  • Farbwerte anpassen
  • Nochmals leicht das Histogramm angepasst
Ergebnisse

Mit dem ordentlichen Flatframe verarbeitet:Andromeda_2014_01_04_003

Mit dem schlechten, unterbelichteten Flatframe verarbeitet:

Andromeda_2014_01_04_001

Ohne Einsatz eines Flatframes:

Andromeda_2014_01_04_002

 

Weitere Bilder, aufgenommen mit hohen Belichtungswerten und ausserordentlich viel Streulicht (Künstlich und Mondschein)

Plejaden_2015_01_06Aufnahme der Plejaden mit dem Kalifornianebel,
EOS6D, 100mm f3.2, 05.01.2015

10 x 2’30“ / ISO 500
10 x 2’30“ / ISO 1250

Mondschein 99.3%

 

 

Andromeda_2015_01_07Aufnahme der Andromeda-Galaxie
EOS6D, 200mm f2.8, 06.01.2015

26 x 2’30“ / ISO 1000

Mondschein

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Ein Gedanke zu „Technikbericht – Widefieldaufnahmen unter Lichtverschmutztem Himmel

  1. Silkanni Forrer

    Hallo Matthias
    Danke vielmals für die ausführliche Info.
    Man sieht das die Flatbilder wirklich nötig sing, ich habe sie bis her nicht gemacht, aber es ist sinnvoll sie zu machen. Ich fotografiere ausschließlich aus dem Stadtgebiet Winterthur.

    Ein freundlichen Gruss aus Winterthur
    Silkanni Forrer

    Antwort

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